Womit ein Vergleichsportal sein Geld verdient
Vergleichsportale sind nützlich, kosten den Nutzer nichts und leben trotzdem von etwas. Wer weiß, wovon, liest die Ergebnisliste anders und verändert vor allem eines: die Voreinstellungen.
Wer den Vergleich bezahlt
Ein Energievergleich kostet den Nutzer nichts. Das Portal verdient stattdessen an den Anbietern: Kommt über die Vermittlung ein Vertrag zustande, fließt eine Provision. Die Höhe unterscheidet sich je nach Anbieter und Tarif und ist Verhandlungssache zwischen Portal und Versorger.
Daraus folgt zunächst nichts Verwerfliches. Es folgt aber, dass ein Portal ein wirtschaftliches Interesse an bestimmten Abschlüssen hat, und dass dieses Interesse nicht zwangsläufig deckungsgleich mit dem Interesse des Haushalts ist. Für den Nutzer ist das Portal deshalb ein Werkzeug zur Marktübersicht, nicht ein neutraler Berater.
Warum die Reihenfolge kein Qualitätsurteil ist
Die Standardsortierung vieler Portale zeigt den niedrigsten Preis für das erste Vertragsjahr an. Diese Sortierung bevorzugt systematisch Tarife mit hohem Neukundenbonus, weil ein einmaliger Bonus die Kosten des ersten Jahres stark senkt, ohne dass sich am laufenden Preis etwas ändert.
Ein Tarif auf Platz eins ist damit die Antwort auf die Frage „Was kostet im ersten Jahr am wenigsten?“ Er ist nicht die Antwort auf „Was ist über zwei Jahre die günstigste und stabilste Lösung?“ Wer die zweite Frage stellt, muss die Sortierung ändern und den Preis für das zweite Jahr getrennt ansehen.
Genau das empfiehlt die Verbraucherzentrale: den Bonus beim ersten Durchgang ausblenden, um zu sehen, welcher Tarif auch ohne Sonderzahlung günstig ist, und Bonusangebote anschließend gesondert betrachten.
Was das Bundeskartellamt untersucht hat
Das Bundeskartellamt hat Vergleichsportale in einer Sektoruntersuchung branchenübergreifend geprüft und dabei mehrere strukturelle Punkte benannt. Dazu gehörten unter anderem, dass die Reihenfolge der Ergebnisse durch die Höhe der Provision beeinflusst werden kann, dass Portale nicht den gesamten Markt abbilden, dass Kooperationen zwischen Portalen bestehen und dass Werbeaussagen zur Marktabdeckung nicht immer belegt waren.
Für die Nutzung heißt das nicht, Portale zu meiden. Es heißt, ihre Ergebnisse als das zu nehmen, was sie sind: eine gefilterte Auswahl innerhalb eines bestimmten Anbieterkreises, sortiert nach einer bestimmten Voreinstellung.
Die Transparenzpflicht seit 2022
Seit einer Änderung des Wettbewerbsrechts müssen Vergleichsplattformen offenlegen, nach welchen Hauptparametern sie ihre Ergebnisse sortieren, und ob und wie eine Bezahlung die Platzierung beeinflusst. Diese Angaben stehen üblicherweise hinter einem Link direkt an der Ergebnisliste oder in einem eigenen Abschnitt, häufig überschrieben mit „Ranking“, „Wie wir vergleichen“ oder ähnlich.
Es lohnt sich, diesen Text einmal zu lesen, und zwar bei dem Portal, das man ohnehin benutzt. Er beantwortet zwei praktische Fragen: Welche Anbieter sind überhaupt gelistet, und was entscheidet über die Reihenfolge.
Die Filter, die den Unterschied machen
Die Voreinstellungen eines Portals sind auf einen möglichst niedrigen ersten Preis optimiert. Wer belastbar vergleichen will, sollte sie durchgehen:
- Bonus einbeziehen oder ausblenden. Für die Grundeinschätzung ohne Bonus rechnen.
- Vertragslaufzeit. Häufig empfohlen werden rund zwölf Monate als Kompromiss zwischen Planbarkeit und Flexibilität.
- Preisgarantie. Vorhanden ist nicht gleich umfassend. Entscheidend ist, welche Bestandteile abgedeckt sind.
- Vorkasse und Kaution ausschließen. Warum das sinnvoll ist, steht in Blatt 02.
- Pakettarife ausschließen, sofern der eigene Verbrauch schwankt.
- Nur Tarife mit direkter Wechselmöglichkeit oder bewusst auch solche, die nur beim Anbieter selbst abschließbar sind.
Und, wichtiger als jeder Filter: der eigene Jahresverbrauch statt der voreingestellten Haushaltsgröße. Eine Auswahl „3 Personen“ ist eine Schätzung. Der Wert von der letzten Jahresabrechnung ist eine Tatsache.
Warum ein Portal allein nicht genügt
Weil kein Portal den gesamten Markt zeigt, kann ein zweiter Vergleich auf einer anderen Plattform andere Ergebnisse liefern. Dazu kommt, dass manche Versorger bestimmte Tarife nur direkt auf der eigenen Internetseite anbieten und nicht über Vermittler, weil sie sich die Provision sparen.
Ein oft übersehener Fall ist der eigene Anbieter. Viele Versorger führen mehrere Tarife nebeneinander, und ein Bestandskunde steht nicht automatisch im günstigsten davon. Ein Anruf oder ein Blick ins Kundenportal kann deshalb ein Ergebnis liefern, das auf keinem Vergleichsportal auftaucht.
Über das Portal wechseln oder direkt beim Anbieter
Ist ein Tarif gefunden, stellt sich die Frage, wo der Vertrag geschlossen wird. Über das Portal geht es meist schneller, weil Daten übernommen werden und die Kündigung des Altvertrags im selben Schritt beauftragt werden kann. Direkt beim Anbieter ist der Vorgang etwas umständlicher, dafür ist der Vertragspartner eindeutig, und Rückfragen laufen nicht über eine dritte Stelle.
Ein Punkt, der in der Praxis Ärger erzeugt: Boni und Konditionen können sich zwischen der Version eines Tarifs auf dem Portal und der auf der Anbieterseite unterscheiden. Manche Boni werden ausdrücklich nur bei Abschluss über einen Vermittler gewährt, andere nur bei Direktabschluss. Wer beide Seiten kurz nebeneinanderlegt, sieht das in wenigen Minuten.
Unabhängig vom Weg gilt: Nach dem Abschluss kommt eine Bestätigung mit Vertragsbeginn, Laufzeit, Kündigungsfrist und den Preisen. Diese Bestätigung ist mit dem zu vergleichen, was im Vergleich angezeigt wurde. Weicht etwas ab, ist der Widerruf innerhalb der gesetzlichen Frist der einfachste Weg zurück, und diese Frist läuft ab Erhalt der Vertragsunterlagen.
Ein Vergleich auf drei Ebenen
- Der eigene Vertrag. Jahresverbrauch, Jahreskosten, Arbeits- und Grundpreis, Vertragsende und Kündigungsfrist aus der letzten Abrechnung.
- Zwei Portale, mit angepassten Filtern und dem eigenen Verbrauch, Bonus zunächst ausgeblendet.
- Zwei bis drei Anbieterseiten direkt, darunter die des eigenen Versorgers.
Am Ende steht in allen drei Fällen dieselbe Zahl im Vordergrund: die Gesamtjahreskosten für den eigenen Verbrauch, einmal für Jahr eins und einmal für Jahr zwei. Alles andere ist Zwischenschritt.